Alevitentische Lehre

Alev. Frauen | Blog

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Hier werden wir uns mit Alevitischer Frauenarbeit, Gedanken, Beobachtungen auseinandersetzen und hoffentlich manche Inspiration teilen können.

Die Alevitische Frau
Mann und Frau sind gleichwertig und haben gleiche Rechte. In dem folgenden Zitat von Haci Bektas Veli kommt dies deutlich zum Ausdruck:

In der Gemeinschaftsrunde wird nicht nach Frau und Mann gefragt; Alles was Gott geschaffen hat, ist vollkommen; Wir sehen nicht auf den Unterschied von Frau und Mann; Das Unvollkommene, das Unvollständige ist in deinen Gedanken“

In dieser Anschauung liegt der Hauptunterschied zur Scharia. Bei den Aleviten ist die Frau vor allem ein Mensch. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein Grundpfeiler des Alevitentums. Unser Glaube spricht allgemein vom Can (Seele) und unterscheidet damit nicht nach Mann oder Frau.

Da das Alevitentum ein Weg ist, in dem der Mensch über 4 Tore, 40 Stufen, durch verschiedene Ebenen und Dimensionen geht, um so am Ende das Stadium des İnsan-ı Kâmil (vollkommener Mensch) zu erreichen, kann es fähig sein, eine Alternative für tradierte, festgefahrene Rollenbilder und der Geschlechter-trennung sein.

Da wo sich die Praxis in einer Alevitischen Gemeinde oder Verband nicht viel von anderen gesellschaftlichen Gruppen unterscheidet, die Geschlechtergleichberechtigung weniger Thema ist, stets die Männer reden und Frauen sich vorwiegend in der Zuhörerinnenrolle bzw. in der Gemeindeküche wiederfinden, da gilt es Stopp zu sagen. Dazu hat jede Frau das Recht. Den Weg zu gehen, zu reifen, heisst für Männer auch in sich zu gehen, ihr Verhalten zu reflektieren und zu lernen! Es passt nicht zusammen, auf Alevitischen Facebook-Seiten oder im Cem die Ungerechtigkeit in der Welt zu beklagen und gleichzeitig die Frau ungleich zu behandeln oder die Beteiligung der Frauen klein zu halten. Warum auch immer, sei es mangelnde Bildung, fehlende Motivation oder fehlendes Bewusstsein, es gilt: „die Alevitische Lehre gleichberechtigt uns“. Das nicht zu beachten, schädigt unsere Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit und als Integrationsvorbild.

Der Bund der Alevitischen Frauen Bayern steht an der Seite der Alevitischen Frauen und will ihre Weiterentwicklung zu einer starken Frau in der Gemeinschaft fördern. Hierdurch wird auch die Familie gestärkt.

Die Alevitische Frau muss lernen, ihre Rechte wahrzunehmen, um zufrieden und selbstbestimmt zu leben.


Den Weg gehen

Jeder Morgen kann mit einer Morgenroutine starten. Eine Morgenroutine, die dir Kraft gibt und Ausreden überwindet. Die 1. Entscheidung am Morgen: Aufstehen - Bewegen. Beginn den Tag mit Gedanken, was dir heute wichtig ist, was hat Priorität? Einen Beitrag in der Arbeit leisten?, mich um Wissen bemühen?, Fürsorge für meine Kinder zeigen?, fröhlich sein? Lebe im hier und jetzt. Denke nicht "ich versuche", "ich wünschte" "ich möchte" sondern "ich bin …". Ich bin einzigartig, ich bin aktiv, ich bin kreativ,....

Stell dir am Morgen drei Fragen: Wie kann ich wachsen? Was kann ich geben? Was kann ich feiern? Diese 3 Fragen geben dir eine positive Richtung. Natürlich gibt es manchmal Rückschläge, manchmal hast du eine falsche Entscheidung getroffen, manchmal fühlst du dich gestreßt, zweifelst du an dir. Aber es geht darum, wie du damit umgehst, wie du weitermachst, auf deinem Weg bleibst. Du wirst wachsen und am Ende des Tages nicht mehr die gleiche Person sein, die morgens aus dem Bett ging. Du hast etwas gemacht, das dir heute wichtig war, eine Erkenntnis gewonnen, du hast etwas Neues ausprobiert, du hast dich an einer schöne Blume am Wegrand erfreut. Du wirst mehr du selbst. Stufe für Stufe.

Besteige wie ein Pir ein Șeriat-Schiff, gleite auf den Tarikat-Ozean, werde ein Marifet-Taucher, um dann die Hakikat-Perle zu erreichen und herauszuholen.



Warum Alevitischer Religionsunterricht?


Der Alevitische Religionsunterricht (ARU) ist für die Herausbildung der eigenen Identität als Alevit für junge Menschen sehr wichtig. Denn hierzu muss ich lernen, was das Alevitentum überhaupt ist, seine Feiertage, seine Dichter, die 4 Tore und mehr. Der Unterricht gehört meiner Ansicht nach zum Kern des Gemeindelebens. Gesellige Veranstaltungen, Ausflüge und Vorträge finde ich überall, ob im Sportverein oder der VHS - die Konkurrenz ist groß. Aber über das Alevitentum erfahre ich nur etwas in der Alevitischen Gemeinde. Somit sorgt langfristig der ARU auch für eine Bindung zur Gemeinde.

Als zweiten Grund sehe ich, dass mit dem Alevitischen Glaube eine Orientierung und Halt gegeben werden kann. Der Weg, die 40 Stufen helfen mir bei der Entwicklung der Persönlichkeit, geben Anregungen auf gewisse Sachen zu schauen, sie zu durchdenken und machen mich am Ende besser. Denn wenn ich in der Schule nicht versetzt werde, wenn mein Arbeitsvertrag nicht verlängert wird, wenn ich allein in eine fremden Stadt des Berufes wegen umziehen muss, wenn mein Läuferknie kaputt ist und Joggen unmöglich wird, wenn ein geliebter Mensch unerwartet stirbt,... was hilft mir dann, was lässt mich nicht verzweifeln? Hier kann der Glaube Kraft schenken. Orientierung und Halt ist das, was wir Eltern unseren Kindern auf ihren Lebensweg auch mitgeben sollten.